HIV und Schwangerschaft

Nach Bekanntwerden der HIV-Infektionen in den achtziger Jahren galt eine Schwangerschaft bei HIV-Infektion eines der beiden Partner als unverantwortbar.
Heute hingegen ist der Wunsch nach einem eigenen Kind trotz HIV-Infektion des Vaters oder der Mutter und ohne Infektionsgefahr für den gesunden Elternteil in vielen Fällen erfüllbar geworden. Inzwischen gibt es in Deutschland Kliniken und Behandlungszentren, die viel Erfahrung in der therapeutischen Begleitung und Geburtshilfe von HIV-positiven Frauen haben. So kann das Risiko der Übertragung des HI-Virus von der Mutter auf das Kind weitgehend minimiert werden. Während die Gefahr einer Infektion während der Geburt Anfang der 90er Jahre in Europa noch bei etwa 15 % lag, beträgt sie heute in Deutschland bei entsprechender Beratung und Begleitung weniger als 2 %.
Nach der Geburt des Kindes ist eine Übertragung von HIV vermeidbar, wenn die HIV-infizierte Mutter auf das Stillen verzichtet.

Wichtig ist, sich frühzeitig an eines der Zentren zu wenden, die sich auf die Betreuung von Schwangeren mit HIV spezialisiert haben.

Vor allem in den ersten 3 Monaten der Schwangerschaft sollten Sie mit Ihrem Arzt über den Nutzen und mögliche Risiken antiretroviraler Medikamente sprechen.

HIV-positiven Schwangeren wird grundsätzlich empfohlen, sich alle zwei bis drei Wochen vom Frauenarzt untersuchen zu lassen.
HIV-Vorbeugung für das ungeborene Kind
Wenn Ihr allgemeiner Gesundheitszustand stabil ist und Sie bisher keine HIV-Therapie benötigen, wird Ihr Arzt Ihnen möglicherweise raten, spätestens ab der 32. Schwangerschaftswoche HIV-Medikamente einzunehmen. Hierbei handelt es sich um eine Vorsichtsmaßnahme für Ihr ungeborenes Kind: Dadurch, dass die HIV-Medikamente die Viruslast in Ihrem Blut senken, ist Ihr Kind bei der Geburt besser vor einer HIV-Übertragung geschützt. Ihr Arzt wird die Medikamente möglicherweise nach der Geburt wieder absetzen, wenn Sie nicht therapiebedürftig sind.
Geburt durch Kaiserschnitt
Um das Kind bei der Geburt vor HIV zu schützen, wird HIV-infizierten Schwangeren meist eine Entbindung per Kaiserschnitt empfohlen. Diese geschieht in der Regel in der 38. Schwangerschaftswoche. Eine Kaiserschnitt-Geburt ermöglicht es, alle für das Kind notwendigen Maßnahmen zu planen und Komplikationen weitgehend zu vermeiden.

HIV und Kinderwunsch

Bei einer HIV-Infektion des Mannes ist der Kinderwunsch in der Regel über Methoden der assistierten Reproduktion, d.h. einer künstlichen Befruchtung, erfüllbar. Bei HIV-Infektion der Frau ist eine solche Behandlung nur bei Störungen der Fruchtbarkeit notwendig.
Allerdings verursacht eine assistierte Reproduktion hohe Kosten und diese werden nicht in jedem Fall von den Krankenkassen übernommen.

Kinderwunsch bei HIV-Infektion des Mannes
Damit eine HIV-Infektion der Partnerin mit größtmöglicher Sicherheit ausgeschlossen werden kann, stehen Methoden der künstlichen Befruchtung mit aufbereitetem und auf Viruslast getestetem Sperma zur Verfügung.

Kinderwunsch bei HIV-Infektion der Frau
Liegen keine Störungen der Fruchtbarkeit vor, ist bei HIV-Infektion der Frau keine künstliche Befruchtung notwendig. Stattdessen können die Partner ohne Gefährdung des Mannes eine so genannte Selbstinsemination durchführen. Hierbei wird das Kondom nach dem Geschlechtsverkehr umgekehrt in die Vagina eingeführt.

Grundsätzlich sollten Sie sich in jedem Fall von Fachärzten beraten lassen, bevor Sie bei einer HIV-Infektion den Kinderwunsch in die Tat umsetzen. Eine solche Beratung kann wichtige Entscheidungshilfen bieten und Risikofaktoren für eine Übertragung des HI-Virus deutlich machen.
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