Bei allen chronischen und letztlich nicht heilbaren Erkrankungen besteht ein großes Interesse seitens der Patienten an ergänzenden Therapien aus dem Bereich der Naturheilkunde und Alternativmedizin, so genannten komplementärmedizinischen Maßnahmen. Dies gilt für die HIV-Infektion ebenso wie z.B. für Tumorerkrankungen oder rheumatische Erkrankungen.
Schätzungen über das Ausmaß des Gebrauchs solcher Mittel liegen, je nach Definition, bei
30 - 70 %. Der Prozentsatz an Patienten, die unterstützende Therapien nutzen, hat sich auch mit den zunehmenden Behandlungsmöglichkeiten der HIV-Infektion nicht wesentlich geändert.
Da das Angebot groß und unüberschaubar ist, erwarten viele Patienten von ihrem Arzt eine kompetente Beratung im Hinblick auf potentiellen Nutzen oder Schädlichkeit dieser Therapien. Eine pauschale Ablehnung der alternativen Verfahren und eines entsprechenden Beratungswunsches stört den Arzt-Patienten-Kontakt empfindlich, bremst häufig die Eigenaktivität des Patienten und führt entweder zur unkontrollierten Einnahme von Mitteln in Selbstmedikation oder dazu, dass sich der Patient den Rat und die Therapie an anderer Stelle holt.
Besonders in der symptomfreien Phase der HIV-Infektion entsteht bei vielen Patienten der nahe liegende Wunsch, zunächst eine Stärkung des Immunsystems mit naturheilkundlichen Mitteln zu versuchen, bevor sie sich zu einer antiretroviralen Therapie entschließen können. Wird hier vom Arzt nur kategorisch der frühzeitige Einsatz einer antiretroviralen Therapie empfohlen, fühlen sich die Patienten unverstanden und mit ihren verständlichen Bedürfnissen allein gelassen.
Unterstützende Therapiemöglichkeiten
Auch wenn die meisten Ärzte dem therapeutischen Nutzen der angebotenen Verfahren skeptisch gegenüberstehen (methodisch korrekte Studien gibt es auf diesem Gebiet aus verschiedenen Gründen nur sehr wenige), sollte man bedenken, dass die meisten komplementärmedizinischen Maßnahmen in der Lage sind, die Lebensqualität der Patienten zu verbessern, da sie für Hoffnung und den Willen zum Leben stehen können und emotional positiv besetzt werden. Darüber hinaus werden die Betroffenen für Maßnahmen der Komplementärmedizin oft selbst aktiv, während sie sich im naturwissenschaftlich-medizinischen Betrieb eher als Objekt fühlen. Auch diese Stärkung der Eigenaktivität und Verantwortlichkeit ist in der Lage, die Lebensqualität während der asymptomatischen Phase zu verbessern.
Dem gegenüber besteht allerdings die Gefahr, dass sich Patienten auf die komplementäre Therapie verlassen und die Einleitung einer dringend notwendigen antiretroviralen Therapie verzögert oder verhindert wird. Eine weitere Gefahr besteht in unbekannten Wechselwirkungen zwischen den komplementären Heilmitteln und den HIV-spezifischen Medikamenten.
Sie sollten Ihrem Arzt also unbedingt mitteilen, falls Sie komplementäre Therapien in Anspruch nehmen, damit er dies bei der Zusammenstellung antiretroviraler Medikamente berücksichtigen kann.
Dem gegenüber besteht allerdings die Gefahr, dass sich Patienten auf die komplementäre Therapie verlassen und die Einleitung einer dringend notwendigen antiretroviralen Therapie verzögert oder verhindert wird. Eine weitere Gefahr besteht in unbekannten Wechselwirkungen zwischen den komplementären Heilmitteln und den HIV-spezifischen Medikamenten.
Sie sollten Ihrem Arzt also unbedingt mitteilen, falls Sie komplementäre Therapien in Anspruch nehmen, damit er dies bei der Zusammenstellung antiretroviraler Medikamente berücksichtigen kann.
Einige Beispiele für komplementäre Therapien
Es handelt sich hierbei nicht um eine Empfehlung!
- Einsatz von Vitaminen (v.a. Vitamine A, C, E)
- Einsatz von Spurenelementen (v.a. Selen, Zink)
- Pflanzliche Immunstimulantien (z.B. Echinacin, Taigawurzel, Krallendorn)
- Pflanzliche Extrakte mit psychisch stimulierenderWirkung wie z.B. Hypericin (Johanniskraut)
- Traditionelle Heilmittel aus der chinesischen, tibetanischen oder afrikanischen Medizin
- Mistelpräparate
- Thymuspräparate
- Homöopathie (Einzelsubstanzen, Konstitutionsmittel, Komplexpräparate)
- Anthroposophische Medizin

